In der Zeit von 2015 bis 2020 nahmen insgesamt über 300 PatientInnen an der regelmäßigen - das heißt halbjährlichen - Fragebogenbeantwortung einer auf den jeweiligen PatientInnen zugeschnittenen Fragebogenbatterie teil. Diese beinhalteten unspezifische störungsübergreifende Fragebögen wie den MOFRA (Motivationsfragebogen), den THEBU (Therapeutenbeurteilung), den den BOV (Bochumer-Veränderungsfragebogen) oder den SVF (Stressverarbeitungsfragebogen) als auch Symptomfragebögen wie den BSI (Beschwerdeinventar, Kurzform der SCL-90) sowie störungsspezifische Fragebögen je nach der individuellen Problematik (z.B. hier den BDI-II Beck-Depressionsinventar, EDI zum Thema Essstörungen, HZI zum Thema Zwangsstörung etc.).

Da die PatientInnen der beschriebenen Kohorte halbjährlich die Fragebogenbatterie beantworten, ist im Folgenden von Messzeitpunkten Therapiebeginn T0 (Diagnostikphase vor Therapiebeginn), im weiteren Verlauf T1 (1. Zwischenmessung nach einem halben Jahr Therapie), T2 (2. Zwischenmessung nach 1 Jahr Therapie), T3  (1,5 Jahre nach Therapiebeginn etc.) auszugehen.

Aufgrund der Tatsache, dass es eine zu kleine Anzahl an PatientInnen N bei den störungsspezifischen Fragebögen gab, fiel bei den meisten die statistische Auswertung aus.

Bei den Fragebögen mit einer zunächst ausreichend hohen Anzahl an Befragten N wurden die Datensätze streng bereinigt (Dropouts, sozial-erwünschtes Antworten, Musterkreuzer, Missings etc.) wurden entfernt. So reduzierten sich die Datensätze pro Fragebogen leider deutlich, z.T. auch unter die Schwelle des Statistisch-Auswertbaren (zu kleines N). Diese wurden entsprechend auch nicht in die statistische Auswertung mit einbezogen und werden im Folgenden auch nicht dargestellt. 

Die folgende erste Analyse zeigt, mit welchen Fragebögen ich arbeite, um die Qualität meiner Arbeit zu beobachten und zu evaluieren, stellt die Ergebnisse deskriptiv dar. Ein Statistiker errechnete zudem per SPSS Paarvergleichsanalysen zwischen den Messzeitpunkten, die beim BDI und BSI. aber nur das 1. halbe Jahr Therapie betreffen (also Vergleich Therapie-Beginn  T0 zu T1), da sich dann die Daten wieder verlieren. Bei anderen übergreifenden Fragebögen konnten wir den Verlauf bis zu T3 verfolgen. Je nach Voraussetzung wurden einfache Varianzanalysen mit Messwiederholung oder der t-test für abhängige Stichproben oder der Friedmann-Test berechnet. Die Prüfung auf Normalverteilung erfolgte per Kolmogorov-Smirnov-Test.

Hinweisen möchte ich darauf, dass es sich selbstverständlich nicht um ein Kontroll- oder Wartegruppen-Design handelt, da alle PatientInnen Therapie in dieser Zeit erhalten haben durch mich (nicht durch die KollegInnen in meiner Praxis).

Kurze Ergebniszusammenfassung: Erfreulicherweise stellen sich bei vielen Paarvergleichen – v.a. zwischen T0 und T1, aber auch im weiteren Verlauf -  signifikante und hochsignifikante Ergebnisse heraus! Das bedeutet zum einen, dass es nicht – wie in der Literatur häufig beschrieben – im Rahmen des ersten halben Jahres Therapie zu einer Symptomverschlechterung gekommen ist, sondern fast überall zu einer Linderung. Ob dies dann allerdings auf Therapieeffekte allein zurückzuführen ist, bleibt natürlich offen. Auffällig ist, dass die Skalen „Aggression“ stagnieren – was diskussionswürdig ist. Mir ist ebenso klar, dass diese Untersuchung weitere differenzierte Fragestellungen aufwirft, die mit dieser Datenanalyse nicht hinreichend beantwortet werden können.

Vorausschau: Bei einer nächsten Analyse hoffe ich auf mehr Messzeitpunkte für entsprechend längere Verlaufsanalysen. Die neue Kohorte, die ab dieser abgeschlossenen Studie ab Sommer 2020 beginnt, wird die Fragebogenbatterien quartalsweise, d.h. engmaschiger erhalten. Außerdem soll die nächste Analyse professioneller – vor allem graphisch - gestaltet werden. Dies haben wir bei dieser ersten Untersuchung in Eigenregie und daher recht laienhaft umgesetzt.

Der interessierte Leser ist herzlich eingeladen, sich auf den folgenden Seiten umzuschauen.

Folgen Sie gerne diesen Unterseiten:

 

- THEBU (Therapeutenbeurteilung)

- BOV (Bochumer Veränderungsfragebogen)

- MOFRA (Motivationsfragebogen)

- SVF (Stressverarbeitungsfragebogen)

- BDI (Beck Depressions Inventar)

- BSI (Brief Symptom Inventory)

 

Ich bedanke mich vor allem herzlich bei meinen PatientInnen für das hohe Engagement und den zeitlichen Einsatz bei der Beantwortung dieser Fragebogenbatterien.

Ebenso bedanke ich mich bei allen, die mitgearbeitet und so mitgeholfen haben, dass dieser erste quantitative Überblick über meine Arbeit entstehen konnte.

P.S.: Die Ergebnisse der Fragebögen werden im Übrigen auch jeweils individuell und aktuell in die laufende Therapie miteinbezogen und mit den PatientInnen diskutiert und das Therapievorgehen wenn nötig noch einmal angepasst. Insofern sind sie sowieso ein wichtiger Bestandteil meiner Therapien (und nicht nur zur Datenaggregation für diese übergeordnete Analyse).

Außerdem wird zu Therapiebeginn bei T0 mit jedem Patienten eine GAS (Goal-Attainment-Scale = Zielerreichungsskalierung) mit seinen individuellen Therapiezielen erstellt, die ebenfalls halbjährlich neu eingeschätzt wird.